Bio-Anbau in der Großstadt – Saber Viver zeigt wie es geht

13164488_1154838001214649_5256718601218659712_nBewohner der Ilha de Deus bauen seit kurzem Bio-Obst und Bio-Gemüse sowohl für den Eigenbedarf sowie zum Verkauf an. Dank einer Kooperation zwischen Saber Viver und dem Projekt „Semear e Colher“ konnte das, was zunächst unmöglich schien, nach einer Neustrukturierung der Ilha de Deus schließlich ganz einfach umgesetzt werden: Jugendliche und Erwachsene der Ilha de Deus bauen nun Obst und Gemüse für den Eigenbedarf, aber auch zum Verkauf an.

Platz zum Anbau ist überall
13256467_1154837951214654_6448044571857384511_nAlle möglichen Flächen werden nun – nach einer Umwidmung von Besitzrechten zum Anbau genutzt mit Hilfe von Krügen, Schüsseln oder auch PET-Flaschen, die an Häuserwänden befestigt werden. Die Bewohner arbeiten gemeinsam an dem Projekt, das anfangs nicht für möglich gehalten wurde: Lebensmittel in städtischer Umgebung ökologisch anzubauen. Im Rahmen eines Projekts vom Centro Educacional Popular Saber Viver und mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kann dieser Traum jetzt umgesetzt werden.

13256236_1154838814547901_6758602676177862304_nIm Rahmen des Projekts wurden ein Förster und ein Landwirtschaftstechniker beauftragt. Zudem haben die auf der Insel lebenden Familien ein Gratis-Gartenset erhalten, das Setzlinge, Dünger und notwendiges Material zur Bewirtschaftung der 8-Quadratmeter großen Gärten enthält. Technische Assistenz zur Gartenpflege erhalten sie bei Bedarf weiterhin.

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Tete Adehyemma Dance Theatre scheitert an deutscher Gründlichkeit

Tete_07Sie wären sehr gerne morgen Abend im Münsteraner „Pumpenhaus“ mit ihrem neuesten Stück „Abweichler“ aufgetreten. Stattdessen standen die jungen DarstellerInnen vom „Tete Adehyemma Dance Theatre“ am letzten Freitag vor der Deutschen Botschaft in Accra und weinten, waren traurig und verzweifelt. Wieder hatten sie das Visum nicht bekommen, um nach Deutschland reisen zu können.

Was war passiert?
Zunächst brauchte die Verwaltung in Ghana knapp 4 Monate (!) um die Pässe für die Jugendliche auszustellen. Durch die Fürsprache des Auswärtigen Amtes in Berlin, das die Deutschen Botschaft in Accra auch darüber informierten, dass die Visa kostenlos ausgegeben werden können, bekam die Gruppe recht zügig einen Termin. Dieser endete jedoch damit, das alle Unterlagen wieder mitgenommen wurden. Laut Deutscher Botschaft fehlten u.a. Dokumente, die die „Verwurzelung“ der Eltern der Minderjährigen nachweisen. Offensichtlich sollte das die „Rückkehrwilligkeit“ der Kinder garantieren. Da sind Fragen nach Geburts- , Heirats- oder Sterbeurkunden fast schon harmlos. Menschen, die in größter Armut leben, sollen „Einkommensnachweise“ vorlegen? Und dann müssen die auch noch den Ansprüchen des Schengen-Abkommens genügen?

Zwei Tage reisten die Verantwortlichen des Projektes zu den verschiedenen Familien, um möglichst viele Dokumente zu bekommen. Ein neuer Termin wurde recht kurzfristig anberaumt, wahrscheinlich auch deshalb, weil sich inzwischen Parlamentarier und Mitarbeiter von Engagement Global eingeschaltet hatten.

Schreibweisen
Am Freitag morgen um 7.00 Uhr standen dann alle vor der Botschaft – und waren am Ende bitter enttäuscht: trotz der „wohlwollenden“ Behandlung wurden die Visa nicht erteilt. Zum einen hatten die Eltern nicht auf den Originalantragsformularen unterschrieben. Zum anderen gab es auf ID-Card, Urkunden und Formularen unterschiedliche Schreibweisen der Namen. Und so konnten die Anträge nicht entgültig behandelt werden. Es war aber auch klar, dass zwar die Unterschriften der Eltern an der richtigen Stelle zu beschaffen waren. Aber ebenso war auch klar, dass die Frage der Schreibweisen in den Dokumenten in der Kürze der Zeit nicht mehr zu regeln war. Damit war die Teilnahme der Gruppe an der KKK 2016 nicht mehr machbar, das war auch die traurige Einsicht der Verantwortlichen des Projektes. Wenn sie die Jugendlichen zusammenhalten und weiter proben, steht einer Teilnahme an der KinderKulturKarawane 2017 nichts im Wege.

Was können wir daraus lernen ?
Wir spüren es schon seit 2 -3 Jahren: die Handhabung des Schengen-Abkommens bezüglich der Visa wird auch für uns immer schwieriger. In einigen Aspekten wird es geradezu absurd für uns, weil wir mit randständigen jungen Menschen arbeiten. Und da sind eben nicht alle Familienverhältnisse geordnet. In den Slums gibt es eben nicht alle Dokument in der Form, wie es die deutsche Gründlichkeit erfordert. Jugendaustausch und Völkerverständigung wird so immer mehr etwas für die Reichen.
Bezogen auf Ghana ist es zwar das gute Recht der Botschaft mit Blick auf Kinderhandel oder Kindesentführung durch Eltern, auf eine ordnungsgemäße Visavergabe zu achten. Allerdings sollte man sich auch darüber Gedanken machen, wer der Einladende ist – in diesem Fall die KinderKulturKarawane, die seit 17 Jahren arbeitet, mehrfach ausgezeichnet wurde und überwiegend aus öffentlichen Mitteln gefördert wird. Und man hätte sich die Arbeit des Projektes und insbesondere die Produktionen mal näher anschauen sollen. Ein Projekt, das seit Jahren integrativ mit Jugendlichen arbeitet und das mit einem Stück auf Reisen geht, das gerade gegen die Fluchtgedanken von Jugendlichen arbeitet, ist sicherlich anders zu beurteilen, als eine Touristengruppe.

Die Abschottungspolitik Europas und des Bundesinnenministers wird immer effektiver. Jugendaustausch und Völkerverständigung wird zum Luxusgut.

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Kulturelle Bewegung in La Paz und El Alto

13198576_1711415709096583_2560202997784163349_oIn Bewegung waren am 14. Mai 2016 viele Menschen in El Alto und La Paz. Der „Tag der Cultura Viva Comunitaria“, 2014 von der Stadtregierung von La Paz per Gesetz eingerichtet, wurde von den vielen Kreativen und Aktiven der „Cultura Viva Comunitaria“ (CVC) auf vielfältige Weise begangen. Es gab größere und kleiner kulturelle Paraden, Plätze, Orte und Zentren der CVC stellen sich vor und es gab 4 verschiedene Bus-Touren zu den aktiven Plätzen des Netzwerkes CVC, das Teatro Trono 2014 aufgebaut hat.

Überhaupt war es für COMPA / Teatro Trono eine wichtige Herausforderung. War man doch erst kurz zuvor von einer vierwöchigen Rundreise zu den CVC-KollegInnen in Argentinien zurückgekehrt. Eine Reise übrigens, die Teatro Trono als „Karawane“ bezeichnet.
COMPA hatte 2013 den ersten „Kontinentalen Kongress Cultura Viva Comunitaria“ in La Paz und El Alto organisiert und damit eine riesiges kreatives und aktives Netzwerk mit ins Leben gerufen. In El Alto / La Paz selbst gibt es dieses Netzwerk auf lokaler Ebene – und dieses Netzwerk hat für das kreative Treiben am 14. Mai gesorgt.

Vor allem die verschiedenen Bustouren zeigten, welche Vielfalt es an kulturellen Basisaktivitäten in El Alto und La Paz gibt. COMPA selbst steht dabei in vorderster Linie für die Aktivierung vor allem der Kinder und Jugendlichen. Kultur ist für sie die Chance, Gesellschaft und Politik verstehen zu lernen – und dann auch mit an der Transformation dieser Gesellschaft aktiv mitzuarbeiten.

Viele Berichte vom Tag mit noch mehr Fotos sind auf Facebook zu finden:
https://www.facebook.com/CVCBolivia/?fref=ts

Eine Fotos vom 14. Mai 2016:

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COMPA hat mich durch die Kunst verändert

Silvia beim Theaterworkshop im Kulturhaus

Silvia beim Theaterworkshop im Kulturhaus

Silvia Alvares Pati ist 18 Jahre alt und Mitglied der Theatergruppe TEATRO TRONO. Im letzten Jahr war sie mit Teatro Trono im Rahmen der KinderKulturKarawane 2015 in Deutschland und Dänemark unterwegs.
Silvia hat in einem der von der Peter Ustinov Stiftung seit April 2015 unterstützten Kulturhäuser von COMPA das Projekt kennengelernt und ihre Liebe zum Theater entdeckt.

„Ich heiße Silvia und bin 18 Jahre alt. Wir sind eine siebenköpfige Familie, das kleinste Familienmitglied wurde vor zwei Wochen geboren. Im vergangenen Jahr habe ich die Schule abgeschlossen. Gerade überlege ich, welche Fächer ich studieren soll.

silvia_familieIch bin vor vier Jahren zu Compa gestoßen. Seither hat sich mein Leben sehr verändert, denn jetzt mache ich, was mir Spaß macht: tanzen und Theaterspielen. Sogar meine Eltern haben die Veränderung bemerkt, denn bevor ich das Kulturhaus von Compa kennenlernte, war ich ziemlich schüchtern und konnte mich nicht gut ausdrücken.

Compa hat mich durch die Kunst verändert. Der Tanz und das Schauspielern hat meine Persönlichkeit geformt. Ich kann jetzt ausdrücken, was ich fühle. Ich war bei vielen Auftritten begeistert dabei, einmal durfte ich mit den Tronos sogar nach Europa reisen mit der KinderKulturKarawane 2015, d.Red.). Das war eine einzigartige Erfahrung. Niemals hätte ich gedacht, dass ich die andere Welt sehen könnte. Das alles habe ich Compa zu verdanken.

PUS-LogoCompa hat mir gezeigt, dass das Leben bunt ist, dass es keine Grenzen gibt. Compa hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert – und tut es auch weiterhin.“

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COMPA ist für mich wie ein zweites Zuhause

Trono2_2Die 16-jährige Luz Mariela Torrez ist Mitglied einer der Theatergruppen von Teatro Trono. Sie hat Teatro Trono in einem der Kulturhäuser von COMPA kennengelernt, die von der Peter Ustinov Stiftung seit einem Jahr unterstützt werden. Sie hat ihre Sicht auf COMPA aufgeschrieben. Hier die Übersetzung:

„Compa ist für mich wie ein zweites Zuhause. Dort fühlen wir uns einander sehr verbunden und haben viel Spaß zusammen. Das Theater hat mir unglaublich geholfen. Früher war ich sehr schüchtern und schweigsam. Mir fehlte das Selbstvertrauen. Als ich von Compa und denTheaterwerkstätten hörte, entschied ich, mich von einer Freundin anmelden zu lassen. Anfangs kostete mich das Schauspielern große Überwindung, aber nach und nach fand ich Gefallen daran.

Als ich anfing, die anderen Schauspieler und Theatermacher kennenzulernen, wuchs mein Selbstvertrauen. Ich begann, mich in der Gemeinschaft wohl zu fühlen, gewann neue Freunde. Ich war ich nicht mehr das scheue Mädchen.

PUS-LogoAuch in der Schule hat mir die Theatererfahrung geholfen, denn in vielen Fächern muss man Vorträge halten. Bevor ich Compa kannte, hat mir der Gedanke, vor der Klasse stehen zu müssen, große Angst gemacht, aber jetzt schaffe ich das problemlos.
Compa ist eine große Hilfe.“

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TIEMPOS NUEVOS TEATRO zeigt: „Die Farbe des Schmerzes“

allefast_800x572pxDie Farbe des Schmerzes
Mit der Produktion „Die Farbe des Schmerzes“ wird TIEMPOS NUEVOS TEATRO ab dem 25. Mai an der KinderKulturKarawane 2016 teilnehmen. Das Stück ist eine “Creación colectiva”, also eine Inszenierung der beteiligten jungen Darsteller und Darstellerinnen.

Es basiert auf der Geschichte von Maria, die als beispielhaft für viele gelten kann. Es sind Geschichten vom Leben, Geschichten von Migration, die in irgendeinem anderen historischen Augenblick sich in das Menschsein verwandeln.

Die Emigranten sind auf viele Arten und aus unterschiedlichen Gründen unterwegs. Die Personen verlassen ihre Heimat, um ihre Lebensqualität zu verbessern, um ihren Kindern bessere Zukunftschancen zu verschaffen oder der Armut, dem Krieg, der Hungersnot, oder den Folgen von Umweltzerstörung zu entfliehen..
Aber nicht alle Plätze, die sie ereichen, sind wirklich hoffnungsvoll. Einige erreichen Orte, an denen sie nur ziellos umherziehen in einer fremden Welt.

In El Salvador findet die Reise der Gruppe nach Europa große Beachtung. Verschiedenen Medien haben bereits darüber berichtet.

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BMZ fördert Mangroven-Aufzucht bei Saber Viver

12670623_1123388507692932_5657629072534795629_nIm Herbst wird die „Companhia Dança Nativos“ aus dem Zentrum von Saber Viver in Recife bei der KinderKulturKarawane dabei sein. Mit dem Stück „Tote Flüsse, verödete Mangroven, hungerndes Volk“ wollen die jungen Darstellerinnen und Darsteller auf den Zusammenhang von Umweltzerstörung und Armut hinweisen – ganz im Sinne der „Sustainable Development Goals“.

Säen und Ernten
Am 30. März startete auf der „Ilha de Deus“, der Heimat der Jugendlichen ein Projekt als Kooperation vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit e.V.  25 Jugendliche und Erwachsene nehmen am Projekt „Semear e Colher“ (dt. Säen und Ernten) des BMZ teil.
Jugendliche Bewohner der Ilha de Deus haben einen Aufzuchtgarten für Mangroven konstruiert, der 20.000 Setzlinge jährlich produzieren soll.  Das Ziel ist, die Samen zu pflanzen und so alle 3 Monate 5.000 Setzlinge der roten Mangrove (Rizophora) zu produzieren. Die jungen Pflanzen können idealerweise nach 3 Monaten dann in den Flüssen und Mangrovenwäldern um die Ilha de Deus eingepflanzt werden.

6146_1117266321638484_3374693263775455810_nPET-Flaschen als Anwuchsschalen
Hierfür soll ein neues natürliches Bewässerungssystem eingesetzt werden, das vom Koordinationsteam des Projekts „Novo da Ilha“ (dt. Neues der Insel) schon getestet wurde. Aus den bisher gesammelten Erfahrungen in der Aufzucht der Mangroven stellt die Bewässerung der Pflanzen eine große Herausforderung dar. In der Saber Viver-Gärtnerei wird sich hierzu ein natürlicher Prozess zu Nutze gemacht, wobei das Meereswasser die nötige Bewässerung und die Nährstoffe, die die Pflanzen für ein gesundes und rasches Wachstum brauchen, liefert. Außerdem werden PET-Flaschen eingesetzt, die aus den verschmutzten Flüssen und Mangrovenwäldern gesammelt wurden, um als Anwuchsschalen für die Mangrovensetzlinge zu dienen. So leisten die Teilnehmer sowohl einen Beitrag zum Umweltschutz als auch in Sachen Nachhaltigkeit.

Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf alle mögliche Unterstützung der lokalen Verwaltung, damit auch nach Auslaufen des zweijährigen Projekts des BMZ die Bewohner der Ilha de Deus genügend Mittel zur Verfügung haben, um den Prozess der Wiederaufforstung der Mangrovenwälder und des Wiederbelebens der Flüsse um Recife herum fortführen zu können.

Wir sind gespannt, wie sich das Projekt bis zum Herbst entwickelt hat und was die Jugendlichen der „Companhia Dança Nativos“ darüber erzählen werden.

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