COMPA hat mich durch die Kunst verändert

Silvia beim Theaterworkshop im Kulturhaus

Silvia beim Theaterworkshop im Kulturhaus

Silvia Alvares Pati ist 18 Jahre alt und Mitglied der Theatergruppe TEATRO TRONO. Im letzten Jahr war sie mit Teatro Trono im Rahmen der KinderKulturKarawane 2015 in Deutschland und Dänemark unterwegs.
Silvia hat in einem der von der Peter Ustinov Stiftung seit April 2015 unterstützten Kulturhäuser von COMPA das Projekt kennengelernt und ihre Liebe zum Theater entdeckt.

„Ich heiße Silvia und bin 18 Jahre alt. Wir sind eine siebenköpfige Familie, das kleinste Familienmitglied wurde vor zwei Wochen geboren. Im vergangenen Jahr habe ich die Schule abgeschlossen. Gerade überlege ich, welche Fächer ich studieren soll.

silvia_familieIch bin vor vier Jahren zu Compa gestoßen. Seither hat sich mein Leben sehr verändert, denn jetzt mache ich, was mir Spaß macht: tanzen und Theaterspielen. Sogar meine Eltern haben die Veränderung bemerkt, denn bevor ich das Kulturhaus von Compa kennenlernte, war ich ziemlich schüchtern und konnte mich nicht gut ausdrücken.

Compa hat mich durch die Kunst verändert. Der Tanz und das Schauspielern hat meine Persönlichkeit geformt. Ich kann jetzt ausdrücken, was ich fühle. Ich war bei vielen Auftritten begeistert dabei, einmal durfte ich mit den Tronos sogar nach Europa reisen mit der KinderKulturKarawane 2015, d.Red.). Das war eine einzigartige Erfahrung. Niemals hätte ich gedacht, dass ich die andere Welt sehen könnte. Das alles habe ich Compa zu verdanken.

PUS-LogoCompa hat mir gezeigt, dass das Leben bunt ist, dass es keine Grenzen gibt. Compa hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert – und tut es auch weiterhin.“

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COMPA ist für mich wie ein zweites Zuhause

Trono2_2Die 16-jährige Luz Mariela Torrez ist Mitglied einer der Theatergruppen von Teatro Trono. Sie hat Teatro Trono in einem der Kulturhäuser von COMPA kennengelernt, die von der Peter Ustinov Stiftung seit einem Jahr unterstützt werden. Sie hat ihre Sicht auf COMPA aufgeschrieben. Hier die Übersetzung:

„Compa ist für mich wie ein zweites Zuhause. Dort fühlen wir uns einander sehr verbunden und haben viel Spaß zusammen. Das Theater hat mir unglaublich geholfen. Früher war ich sehr schüchtern und schweigsam. Mir fehlte das Selbstvertrauen. Als ich von Compa und denTheaterwerkstätten hörte, entschied ich, mich von einer Freundin anmelden zu lassen. Anfangs kostete mich das Schauspielern große Überwindung, aber nach und nach fand ich Gefallen daran.

Als ich anfing, die anderen Schauspieler und Theatermacher kennenzulernen, wuchs mein Selbstvertrauen. Ich begann, mich in der Gemeinschaft wohl zu fühlen, gewann neue Freunde. Ich war ich nicht mehr das scheue Mädchen.

PUS-LogoAuch in der Schule hat mir die Theatererfahrung geholfen, denn in vielen Fächern muss man Vorträge halten. Bevor ich Compa kannte, hat mir der Gedanke, vor der Klasse stehen zu müssen, große Angst gemacht, aber jetzt schaffe ich das problemlos.
Compa ist eine große Hilfe.“

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TIEMPOS NUEVOS TEATRO zeigt: „Die Farbe des Schmerzes“

allefast_800x572pxDie Farbe des Schmerzes
Mit der Produktion „Die Farbe des Schmerzes“ wird TIEMPOS NUEVOS TEATRO ab dem 25. Mai an der KinderKulturKarawane 2016 teilnehmen. Das Stück ist eine “Creación colectiva”, also eine Inszenierung der beteiligten jungen Darsteller und Darstellerinnen.

Es basiert auf der Geschichte von Maria, die als beispielhaft für viele gelten kann. Es sind Geschichten vom Leben, Geschichten von Migration, die in irgendeinem anderen historischen Augenblick sich in das Menschsein verwandeln.

Die Emigranten sind auf viele Arten und aus unterschiedlichen Gründen unterwegs. Die Personen verlassen ihre Heimat, um ihre Lebensqualität zu verbessern, um ihren Kindern bessere Zukunftschancen zu verschaffen oder der Armut, dem Krieg, der Hungersnot, oder den Folgen von Umweltzerstörung zu entfliehen..
Aber nicht alle Plätze, die sie ereichen, sind wirklich hoffnungsvoll. Einige erreichen Orte, an denen sie nur ziellos umherziehen in einer fremden Welt.

In El Salvador findet die Reise der Gruppe nach Europa große Beachtung. Verschiedenen Medien haben bereits darüber berichtet.

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BMZ fördert Mangroven-Aufzucht bei Saber Viver

12670623_1123388507692932_5657629072534795629_nIm Herbst wird die „Companhia Dança Nativos“ aus dem Zentrum von Saber Viver in Recife bei der KinderKulturKarawane dabei sein. Mit dem Stück „Tote Flüsse, verödete Mangroven, hungerndes Volk“ wollen die jungen Darstellerinnen und Darsteller auf den Zusammenhang von Umweltzerstörung und Armut hinweisen – ganz im Sinne der „Sustainable Development Goals“.

Säen und Ernten
Am 30. März startete auf der „Ilha de Deus“, der Heimat der Jugendlichen ein Projekt als Kooperation vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit e.V.  25 Jugendliche und Erwachsene nehmen am Projekt „Semear e Colher“ (dt. Säen und Ernten) des BMZ teil.
Jugendliche Bewohner der Ilha de Deus haben einen Aufzuchtgarten für Mangroven konstruiert, der 20.000 Setzlinge jährlich produzieren soll.  Das Ziel ist, die Samen zu pflanzen und so alle 3 Monate 5.000 Setzlinge der roten Mangrove (Rizophora) zu produzieren. Die jungen Pflanzen können idealerweise nach 3 Monaten dann in den Flüssen und Mangrovenwäldern um die Ilha de Deus eingepflanzt werden.

6146_1117266321638484_3374693263775455810_nPET-Flaschen als Anwuchsschalen
Hierfür soll ein neues natürliches Bewässerungssystem eingesetzt werden, das vom Koordinationsteam des Projekts „Novo da Ilha“ (dt. Neues der Insel) schon getestet wurde. Aus den bisher gesammelten Erfahrungen in der Aufzucht der Mangroven stellt die Bewässerung der Pflanzen eine große Herausforderung dar. In der Saber Viver-Gärtnerei wird sich hierzu ein natürlicher Prozess zu Nutze gemacht, wobei das Meereswasser die nötige Bewässerung und die Nährstoffe, die die Pflanzen für ein gesundes und rasches Wachstum brauchen, liefert. Außerdem werden PET-Flaschen eingesetzt, die aus den verschmutzten Flüssen und Mangrovenwäldern gesammelt wurden, um als Anwuchsschalen für die Mangrovensetzlinge zu dienen. So leisten die Teilnehmer sowohl einen Beitrag zum Umweltschutz als auch in Sachen Nachhaltigkeit.

Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf alle mögliche Unterstützung der lokalen Verwaltung, damit auch nach Auslaufen des zweijährigen Projekts des BMZ die Bewohner der Ilha de Deus genügend Mittel zur Verfügung haben, um den Prozess der Wiederaufforstung der Mangrovenwälder und des Wiederbelebens der Flüsse um Recife herum fortführen zu können.

Wir sind gespannt, wie sich das Projekt bis zum Herbst entwickelt hat und was die Jugendlichen der „Companhia Dança Nativos“ darüber erzählen werden.

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Migration, Flucht und Bildung

rundbrief_wusIm „Rundbrief Bildungsauftrag Nord-Süd“ Nr. 86 des WUS schreibt der Beigeordnete Hochkommissar für Flüchtlingsschutz des UNHCR, Dr. Volker Türk, über Migration, Flucht und Bildung.

„Bei Bildung geht es nicht nur ums Lernen, es geht ums Ziel“
Ende 2014 waren 59,5 Millionen Menschen weltweit aufgrund von Verfolgung, Konflikt, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gewaltsam vertrieben. Heute liegen diese Zahlen wahrscheinlich weit darüber. Selbst wenn die nach Europa strömenden Flüchtlinge derzeit Schlagzeilen machen, so stellen sie doch nur weniger als 2% aller Flüchtlinge weltweit dar, was trotzdem enorme Auswirkungen auf Europa hat. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass Länder mit wesentlich schwächerer Wirtschaft und wenig tragfähigen Sozialsystemen – häufig auch mit geringerer interner Stabilität – die große Verantwortung für die verbleibenden 98% der Flüchtlinge tragen, die zum Überleben dringend unsere Unterstützung benötigen. Aus den Erfahrungen dieser Länder lässt sich viel lernen, sowohl im Hinblick darauf, wie Europa mit der jetzigen Flüchtlingswelle umgeht, oder auch wie humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Entwicklungskontexten umgesetzt werden kann, damit Flüchtlinge in Würde und mit Hoffnung bis zur Rückkehr in ihre Herkunftsländer leben können.

Der Beigeordnete Hochkommissar für Flüchtlingsschutz Dr. Volker Türk spricht mit binnenvertriebenen Kindern in Nigeria (Quelle: UNHCR/George Osodi)

Der Beigeordnete Hochkommissar für Flüchtlingsschutz Dr. Volker Türk spricht mit binnenvertriebenen Kindern in Nigeria (Quelle: UNHCR/George Osodi)

Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete in der humanitären Hilfe „alles wird dringend benötigt“ vor allem Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Doch heute wird auch klar erkannt, dass der Bildungszugang integraler Bestandteil der Nothilfe sein muss. Laut Erfahrungen des UNHCR wissen wir, dass Bildung in Notsituationen und in der Nachfolgezeit zertifizierbar, rechenschaftspflichtig und nachhaltig sein muss. Deshalb müssen sich Bildungsprogramme für Flüchtlinge vom Anfang an auch an der nationalen Bildungs- und Entwicklungspolitik orientieren.

Weltweit nehmen Entwicklungsländer über 86% aller Flüchtlinge auf.
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Der Begriff „Nothilfe“ lässt auf kurzfristige, vorläufige Maßnahmen schließen; doch in manchen Fällen leben Menschen über drei oder mehr Generationen hinweg als Flüchtlinge, und weltweit nehmen Entwicklungsländer über 86% aller Flüchtlinge auf. Und dennoch macht das Budget für humanitäre Bildungsmaßnahmen nur 2% des gesamten humanitären Budgets aus. Auch die von der internationalen Gemeinschaft zugesagten 4% sind viel zu wenig, um weltweit den Gesamtbedarf zu decken.

Der Bereich der Bildung in Notsituationen kann sich heute zur wirksamen Planung und Finanzierung von Bildungsprogrammen auf sichere Daten stützen. Wir wissen, dass die Bildungslaufbahn vieler Flüchtlingskinder und Jugendlicher bereits vor ihrer Flucht oft erheblichen Störungen unterworfen ist, und dass solche Unregelmäßigkeiten häufig zu Schulabbruch und negativen Bewältigungsstrategien führen können.

Wir wissen, dass Zugang zu Bildungssystemen in Erstaufnahmeländern die nachhaltigste Option für einen vollständigen formalen Bildungszyklus ist, dass aber die Kapazitäten der Lehrkräfte und die notwendigen Investitionen zur Überwindung von Sprachbarrieren meist nicht ausreichend vorhanden sind, bzw. nicht zur Verfügung gestellt werden. Wir wissen, dass Lehrkräfte in Flüchtlingskontexten meist nicht über die minimalen Berufsqualifikationen verfügen und dass Bildungsministerien in Erstaufnahmeländern zumeist nicht ausreichend Lehrkräfte für ihre eigene Bevölkerung haben. Es ist weiterhin bekannt, dass Diskriminierung gegen Flüchtlinge und Binnenvertriebene in Schulen häufig zu Schulabbruch führt.

RV11681_ArticoloDie Flüchtlinge und Migranten, die jetzt nach Europa strömen, sind in vieler Hinsicht Vorreiter: sie zeigen uns, dass zur Unterstützung von Menschen in humanitären Krisen in Erstaufnahmeländern auch Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gehören. Bildung ist der erste und wichtigste Schritt zum Schutz dieser stark gefährdeten Menschen.

Positive Auswirkungen von Bildungszugang in Aufnahmeländern
Ein Flüchtlingsmädchen, das heute in einem Aufnahmeland geboren wird, ist bei ihrer Rückkehr in ihr Herkunftsland wahrscheinlich zwischen 17 und 25 Jahre alt. Sie kennt dieses Land nicht, und es galt wohl auch bis zu ihrer Rückkehr als nicht sicher genug, um sie wieder aufzunehmen; wahrscheinlich besitzt die Regierung dort über städtische Grenzen hinaus weder großen Einfluss, noch verfügen Regierungsvertreter über ausreichende Erfahrung und Kompetenz. Im besten Falle befindet sich die nationale Wirtschaft auf demselben Stand wie früher, als ihre Eltern das Land verließen; im schlimmsten Falle sind die öffentlichen Dienstleistungen, Infrastruktur und Umwelt zerstört, was das Wirtschaftsschicksal des Mädchens und ihrer Familie eindeutig mitbestimmen wird.

Hat ein Flüchtling wie sie von einem kompletten Bildungszyklus profitiert, so besteht eine gute Chance, dass sie einen sinnvollen Beitrag zum Wiederaufbau ihres Herkunftslandes leisten kann. Hatte sie die Möglichkeit ihre Grundschulbildung abzuschließen, wird sie über Lese- und Rechenkenntnisse verfügen und so mit der Welt außerhalb ihres Zuhauses interagieren. Hat sie die Sekundarschule abgeschlossen, so konnte sie aufgrund des Studiums von Sprachen, Politik, Geschichte und Naturwissenschaften ihre interkulturelle Offenheit pflegen und ihr Urteilsvermögen stärken.

Hatte sie Zugang zu post-sekundärer Bildung oder beruflicher Weiterbildung, so wird sie die Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert entwickelt haben, welche ihr Beteiligung an kollektiven Entscheidungsprozessen ermöglichen und sie für ihre Aufgaben als Mitgestalterin und Führungskraft in ihrer Gemeinschaft, wie auch als Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst, als Angestellte, Gründerin oder Akademikerin vorbereitet haben. csm_Bildung2_99b86e553cDurch Bildung erfasst man die Welt um sich und kann Entwicklungen im Bereich von Bildung, Wissenschaft, Technologie und in der Zivilgesellschaft sowohl im eigenen als auch in anderen Ländern der Welt besser mitverfolgen. Man verschafft sich dadurch auch Klarheit in Bezug auf seine Rechte und Pflichten als Weltbürger. Bildung stärkt auch den Beitrag, den man zur Wirtschaft seiner Gemeinschaft leisten kann; man fördert die Bildung seiner eigenen Kinder, heiratet später als seine Eltern und bekommt so auch weniger Kinder, welche höchstwahrscheinlich gesünder sein werden und wohl seltener Opfer von häuslicher Gewalt.

Gehört sie zu den wenigen Flüchtlingen, die für ein Umsiedlungsprogramm in einem Drittland ausgewählt werden, bringt sie bereits die nötige Fähigkeit zur Anpassung und Eingliederung in eine neue Gesellschaft mit sich und kann Studienchancen, soweit sie dort angeboten werden, bestmöglich nutzen.

Negative Auswirkungen von unzureichendem Bildungszugang in Aufnahmeländern
Gehört diese junge Erwachsene jedoch zu den mehr als drei Millionen Flüchtlingskindern, die 2015 keine Schule besuchten, oder zu den mehr als 50%, die ihre Grundschulausbildung nie abschließen konnten (bei Mädchen liegt der Prozentsatz sogar bei 65%), oder den 75% junger Flüchtlinge, die nie zur Sekundarschule gingen, oder den 99%, die nie Zugang zu post – sekundären Bildungsprogrammen hatten, dann wird sie wahrscheinlich zu der ständig wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Unterschicht gehören, in der Kinder das gleiche Leben wie ihre Eltern führen müssen.

0,,17480709_303,00Selbst wenn sie hochmotiviert ist, aber weder lesen, schreiben, rechnen, verhandeln noch ihre eigenen Rechte verstehen kann und somit auch nicht über ihren eng umgrenzten und allein auf praktischen Erkenntnissen beschränkten Erfahrungsbereich hinaus entscheidungsfähig ist, wird sie wahrscheinlich den Konsequenzen dieser Situation in Form von früher Schwangerschaft, zahlreichen Kindern, irregulärer und schlecht bezahlter physischer Arbeit, schlechter Gesundheit, größerer und langfristiger Abhängigkeit von Zuwendungen sowie mangelnder Teilnahme am gesellschaftlichen Leben nicht entgehen, und somit auch ihr soziales Umfeld nicht beeinflussen können.

Besonders prekär ist die Situation jener jungen Flüchtlinge, die keinen Zugang zu Bildung hatten und in bewaffneten Konflikten rekrutiert werden. Armut und Entmachtung bestimmen dann Entscheidungen und Handeln von entrechteten Jugendlichen, die funktionale oder vollständige Analphabeten sind, deren kritische Urteilsfähigkeit und Erfahrung begrenzt sind und die keinen Zugang zu vertrauenswürdigen, rechenschaftspflichtigen Institutionen haben, welche sozialen Schutz bieten. Man kann sich gut vorzustellen, dass gerade die erheblichen Lücken in der humanitären Finanzierung von Dienstleistungen, welche die grundlegende Würde und die Lebensperspektiven in konfliktanfälligen Regionen Afrikas, dem Nahost und Asien sicherstellen sollten, zur aktuellen Flüchtlingskrise erheblich beigetragen haben.

aus: Rundbrief Bildungsauftrag Nord-Süd“ Nr. 86 des WorldUniversityService

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Was will die Bundeswehr auf der „didacta – die bildungsmesse“

Meine ersten Eindrücke auf der Didacta
Nachdem Friderike und ich die UNESCO-Sonderschau in Halle 7 erreichten und den Stand der KinderKulturKarawane entdeckt hatten, fingen wir mit dem AufbaubpfxFBf und der Dekoration des Standes an. Um uns herum hatte sich unter anderem die BUND Jugend, eine Initiative zur Errichtung von Nachhaltigkeitsbüros in (Hoch-)Schulen und die UNESCO-Schule aus Grevenbroich eingerichtet. Schräg gegenüber von unserem Stand war die Bundeswehr platziert und auf der anderen Seite eine Bildungsstätte zum römischen Zeitalter. Insgesamt war ein sehr buntes und vielfältiges Angebot an Bildungsvereinen, -verlagen und –unternehmen auf der Didacta vertreten, die für ihre Angebote werben wollten. 800 Ausstellende waren auf den fünf Messetagen zu sehen. Um auf der Messe unter den zahlreichen Ständen aufzufallen, schmückten die Vertreter*innen ihre Stände besonders aus. Zudem hatten sie Broschüren, Zeitschriften oder sonstige Werbegeschenke für die Besucher*innen im Angebot. Gleichzeitig fanden Foren, Diskussionen und Gesprächen zu jeglichen Bildungsthemen in den Messehallen statt. Zudem initiierten einige Stände Zirkusshows, Chorauftritte oder sonstige künstlerische Aufführungen. Insofern war das Programm sehr bunt und wir wurden überflutet mit Veran-staltungsmöglichkeiten. Zu den vielen optischen Eindrücken kamen auch noch die akustischen Eindrücke hinzu. Alles in allem wurden wir und die Besucher*innen überschüttet mit Impressionen auf dem riesigen Messegelände.

Bepackte Konsument*innen auf Schnäppchensuche
Sobald ich mich einmal auf den Weg machte, konkret zu Ständen zu gehen und Gespräche mit deren Vertreter*innen zu führen, wurde es erst richtig spannend. Ich musste mir also durch den Wirrwarr an Ständen einen Weg schaffen und konkrete Zielpunkte ausfindig machen, um etwas von dieser Messe mitzunehmen. So zog ich gleich zu Beginn am Dienstagmorgen durch die Halle 7, in der Angebote für Schulbildung präsentiert wurden. Besonders überrascht haben mich die riesigen Stände des Cornelsen- und auch des Klett-Verlags. Dort ging es meiner Meinung nach nur um den Verkauf der Bücher. Auch einige Online-Programme sollten an die Lehrkräfte vermittelt werden. So erschien mir diese Ecke als sehr kommerziell und überhaupt nicht so kreativ und innovativ wie beispielsweise die Ecke der UNESCO-Sonderschau. Doch viele der 100.000 Besucher*innen innerhalb der fünf Messetage stellten sich auf die Shoppingtour durch die Messe ein und fuhren mit ihren Rollkoffern über das Messegelände. Für mich hatten die kleinen Stände, die manchmal auch etwas einfach eingerichtet waren, einen viel größeren Charme als die riesigen Flächendidacta2016 der großen Unternehmen. Das hat mich fast eher abgeschreckt. Genauso schockiert war ich über den großen Platz, der der Bundeswehr eingeräumt wurde. Mir war im Vorfeld nicht bewusst, dass sie eine so große Rolle in unserem Bildungssystem spielt. Ich hoffe sehr, dass der Schein trügt. Besonders nett habe ich mich mit einem Mann des Welthauses Bielefeld unterhalten. Das Welthaus hat sich mit elf anderen NRO des „Pädagogischen Werkstattgespräch“ zu einer langen Standreihe des Globalen Lernens zusammengetan. Dort ist mir die Vielfalt des Bildungsprogramms des Globalen Lernens aufgefallen, die ich sehr interessant und notwendig finde. Ich habe davon in meiner Schulzeit nichts kennengelernt. Erschreckt hat mich der „Afrika-Koffer“, der von einer dieser Gruppe an Schulen verliehen wird. In dem Koffer waren auch viele Gegenstände enthalten, die das stereotype Bild von dem afrikanischen Kontinent wieder hervorrufen. Insofern ist mir anhand dieser Stände erneut aufgefallen, wie vorsichtige das Thema Globales Lernen behandelt werden muss, um keine Stereotype und Vorurteile zu reproduzieren.

Das Geschehen am Stand der KinderKulturKarawane
Am Stand der KinderKulturKarawane habe ich ein paar nette Gespräche mit Interessierten führen können, die das Konzept noch nicht kannten. Die meisten haben sich einen Flyer mitgenommen, um hoffentlich bald eine Gruppe zu buchen. Einige Personen kamen im Laufe der Messe auf uns zu, die die KinderKulturKarawaTBH7o9Tne schon kannten oder vor Jahren mal ein Stück einer Gruppe gesehen haben. Das fand ich irgendwie schön und faszinierend, dass ein Projekt, welches aus so wenigen Personen besteht, sich so verbreitet hat. Aber vielleicht habe ich auch noch keine ganz genauen Vorstellungen von den Vernetzungen der KinderKulturKa-rawane. Ich habe das Praktikum erst vor drei Wochen im Büro für Kultur- und Medienprojekte begonnen. Die Fragen der Interessierten konnte ich manchmal nicht beantworten, sodass es spannend war von Ralf mehr darüber zu erfahren. Insgesamt hat mir die Zeit auf der Messe die Möglichkeit gegeben mehr über das Projekt, dessen Entwicklung und dessen Hürden zu erfahren.

UNESCO-Tag auf der Bildungsmesse
Am Mittwochvormittag waren wir nicht am Stand präsent, sondern haben an dem UNESCO-Tag teilgenommen. Auf dieser Veranstaltung ging es darum, welche Rolle die Jugend im aktuellen UNESCO-Weltaktionsprogamm Bildung für nachhaltige Entwicklung und in der nachhaltigen Entwicklung in Gänze einnimmt. Dazu hat erst Hannes Jaenicke einen Vortrag gehalten, in dem er seine Arbeiten und seinen Aktionismus im Umweltschutz dargelegt hat. Zudem berichtete er von seinen Dokumentationen über Umweltthemen. Währenddessen sprach er sehr zynisch über die geringe Verhaltensveränderung der Menschen seit den 1970er Jahren. Es sei damals schon klar gewesen, dass die Menschen ihr umweltschädliches Verhalten ändern sollten. Dennoch ist er ambitioniert weiter zu kämpfen. Diese Motivation hat sich auch bei den nächsten Gästen auf der Bühne gezeigt. So fand im Anschluss an den Vortrag eine Diskussion zwischen einem Greenpeace-Vertreter, Ralf von der KinderKulturKarawane, einem Lehrer der UNESCO-Schule und drei jungen Menschen, die eine Initiative im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung gegründet haben, statt (Informationen zu den Initiativen und Projekten sind in der unten verlinkten Pressemitteilung über den UNESCO-Tag zu finden.). Dabei konnten die Diskutant*innen ihre Projekte vorstellen und unterhielten sich über die Bereitschaft der Jugend nachhaltig zu handeln. Dabei bezogen sie sich auf das Weltaktionsprogramm der UNESCO. Doch nicht nur die Personen auf dem Podium konnten mitdiskutieren, sondern auch zahlreiche Menschen aus dem Publikum brachten sich mit Fragen, Erfahrungen und Gefühlen in die Diskussion ein. Dadurch wurde das Gespräch sehr lebhaft und zeigte, dass das Thema Nachhaltigkeit viele Menschen beschäftigt. Allerdings ist es noch ücN393Fc-1berhaupt nicht ausreichend in den Strukturen der (Hoch-)Schulen verankert. Dennoch gilt es zu erwähnen, dass die Gäste des UNESCO-Tages im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung für Nachhaltigkeit stark sensibilisiert sind. Gleichzeitig war es für mich spannend zu sehen, dass es Schulen gibt, die das Thema Nachhaltigkeit in unterschiedlichen Formaten in den Schulalltag integrieren. So hat die UNESCO-Schule aus Grevenbroich eine Nachhaltigkeits-AG gegründet, baut in ihrem Schulgarten Gemüse an und greift Nachhaltigkeit in den Schulfächern auf. Das halte ich für eine positive Entwicklung, die allerdings noch länderüber-greifend ins Bildungssystem übernommen werden sollte. Für mich war es während der Debat-te sehr aufschlussreich, dass durch Schulen Bildung für nachhaltige Entwicklung zwar vermittelt werden soll, aber es nicht nur zu einem akademischen Thema werden darf. Sonst wird die gesamte Gesellschaft nicht erreicht.

Flexiblere Schulen
Abschließend habe ich für mich festgestellt, dass Bildung der Schlüssel zu vielem ist und es in Deutschland ein riesiges (externes) Bildungsangebot gibt. Damit können sich aber nicht alle Schulen beschäftigen. Dennoch ist diese Angebotsvielfalt wichtig und erlaubt es den Schüler*innen, sich neben ihren Fächern auch in andere Richtungen zu entwickeln. Außerdem sind Bildung und die Umstrukturierung des Bildungssystems Prozesse, die ständig überarbeitet und an die aktuellen Umstände angepasst werden müssen. Allerdings fehlt es den deut-schen Schulen und ihren Angestellten in diesem Zusammenhang bislang an Flexibilität.

UNESCO-Meldung

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KinderKulturKarwane bei der DIDACTA

didacta2016Die KinderKulturKarawane ist in diesem Jahr wieder bei der DIDACTA – DIE BILDUNGSMESSE vom 16. – 20.02.2016 in der KölnMesse dabei.
In der Sonderschau der Deutschen UNESCO-Kommission in Halle 7.1, C-059 werden wir unsere Beiträge zum Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (WAP BNE) und insbesondere das vielfältige Engagement Jugendlicher für BNE vorstellen.

Auch beim „UNESCO-Tag am 17.02.2016 von 10:30-14:00 Uhr Koelnmesse, Congress-Centrum Ost, Offenbachsaal sind wir dabei. Für diesen Tag gibt es noch kostenlose Eintrittskarten. Programm und Zugang zu den Tickets findet man hier.

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